Der Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus oder kurz Zen ist eine im 5. Jahrhundert n. Chr. in China entstandene Strömung des Mahayanda-Buddhismus, die stark vom Daoismus, teils aber auch vom Konfuzianismus geprägt wurde. Grundsätzlich steht der Zen-Buddhismus in einer engen Verbindung zum „klassischen Buddhismus“, der sich durch seine facettenreichen Möglichkeiten in Bezug auf Meditationsformen, Praktiken und einzelne Glaubensrichtungen auszeichnet. Anders als in zahlreichen anderen Glaubensrichtungen, Lehren oder Religionen geht es im Zen-Buddhismus nicht darum, durch bestimmte Riten und Gebete oder das Darbringen von Opfergaben die Forderungen bzw. Wünsche sogenannter „höherer Mächte“ zu erfüllen, um beispielsweise in schwierigen Lebenssituationen Hilfe zu bekommen. Im Zen-Buddhismus steht entsprechend nicht das Streben nach einem bestimmten Nutzen im Vordergrund oder sogar bestimmte Wünsche erfüllt zu bekommen bzw. gewisse Ziele zu erreichen.

Der Begriff „Zen“ leitet sich vom chinesischen Wort „chan“ ab, welches wiederum eine Übersetzung des Begriffs „Dhyana“ aus dem Sanskrit ist. Frei übersetzt bedeutet „Zen“ so viel wie „Meditation“, exakter „dhyāna-Meditation. Hierbei handelt es sich um eine Methode, deren Ziel es ist, besondere Einsichten zu erlangen. Praktiziert wird diese Methode bereits seit vielen Jahrhunderten von zahlreichen Buddhisten, und zwar bereits bevor sich der Zen-Buddhismus als eigenständige Strömung etablierte. Allerdings kommt dieser Methohe im Zen-Buddhismus besonderer Wert zu. Auch in den Legenden, die sich um die Entstehung des Zen-Buddhismus sowie dessen Stammvater Bodhidharma ranken, wird die Meditation besonders betont.

Bodhidharma – der legendäre Stammvater des Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus
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Der Legende nach soll der aus Indien stammende Mönch Bodhidharma 520 n. Ch. nach China gereist sein. Dort soll bereits sein körperliches Erscheinungsbild Aufsehen erregt haben. Glaubt man der Ikonographie des Zen, handelte es sich bei Bodhidharma um ein Raubein mit starkem Haarwuchs, Bart und hervortretenden Augen. Dieser ein wenig unheimlich anmutende Mönch soll der Legende nach die folgenden neun Jahre damit verbracht haben, gegen eine Mauer gewandt zu meditieren. Dabei hat er sich auch von seinen Mitmönchen, von denen sich ihm zahlreiche als Schüler anboten, nicht irritieren lassen. Erst der chinesische Chan-Patriarch Huike soll die Aufmerksamkeit Bodhidharmas auf sich gezogen haben, da er sich seinen eigenen Arm abhackte. Bodhidharma hat sich selbst der Legende nach – um während der Meditation nicht einzuschlafen – die Augenlider abgeschnitten. Über seinen besonderen Hang zur Meditation hinaus ist vom Stammvater des Zen nur wenig überliefert. Allerdings ist davon auszugehen, dass es gerade das Bodhidharma umgebende Geheimnisvolle ist, was ihn so so interessant machte.

Die Chan-Patriarchen aus China

Nach Bodhidharma gab es in China einige berühmte Chan-Patriarchen, von denen jeder sein eigenes pädagogisches Konzept hatte. Einer der berühmtesten Zen-Meister ist Linji. Er führte seine Schüler durch Scheltschreie und Stockschläge zur Erleuchtung. Der Kanon des Zen-Buddhismus setzt sich aus den Anekdoten über diese Patriarchen zusammen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in diesen das basale Prinzip des Zen-Buddhismus offenbart. Nach diesem ist es nicht möglich, Erleuchtung durch reines Studium zu erlangen. Vielmehr erreicht man diese durch eine unmittelbare Erleuchtungserfahrung. Eine derartige Erleuchtungserfahrung stellt einen absoluten Gegensatz zu den Alltagserfahrungen bzw. dem Alltagsbewusstsein dar und überkommt den Meditierenden unerwartet, also ohne Ankündigung. Damit sich die Meditierenden dem Alltagsbewusstsein entziehen können, haben sich im Zen-Buddhismus sogenannte kōan, d. h. Zen-Rätsel, entwickelt. Aufgabe der Schüler ist es, sich während der Meditation in diese Rätsel zu vertiefen. Zen-Rätsel weisen einerseits einen spielerischen Charakter auf, andererseits wird aber deutlich, dass die Suche nach Erleuchtung nur dann glücken kann, wenn sie mit einer existenziellen Entscheidung, d. h. auf Leben und Tod, verbunden ist. Aus dieser Vorstellung rührt auch das im Zen-Buddhismus häufig vorkommende Motiv der körperlichen Gewalt, welches zugleich ein Appell des Zen-Buddhismus an die Krieger war.

Aufgrund der Mittel des Zen-Buddhismus, um Erleuchtung zu erfahren, kann er als exaktes Gegenteil des Amidismus verstanden werden. So sind das eigene Wollen und die eigene Anstrengung, die ein allumfassendes Ausmaß haben müssen, das Herzstück des Zen-Buddhismus. Entsprechend haben Selbstdisziplin und damit das Beherrschen des eigenen Willens im Zen-Buddhismus absoluten Vorrang. So ist es oftmals bedeutungslos, was ein Individuum glaubt. Wichtig ist vielmehr, dass sich der Meditierende vom Gegenstand seiner Glaubensverehrung keinesfalls von der eigentlichen Meditationsübung ablenken oder sogar abbringen lässt. Ein sehr populärer kōan sagt deshalb: „Wenn du den Buddha triffst, töte den Buddha!“

Der Zen-Buddhismus in Japan

Während der Kamakura-Zeit haben sich in Japan zwei Hauptrichtungen des Zen-Buddhismus

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entwickelt,nämlich Rinzai-shū und Sōtō-shū. Ursprünglich war Sōtō Zen die strengere und asketischere Strömung. Heute ist der Begründer dieser Richtung, Dōgen Kigen (1200–1253), wohl der berühmteste Vertreter des japanischen Zen-Buddhismus. Allerdings in der Folgezeit kam dem Sōtō Zen weitaus weniger Bedeutung zu als dem Rinzai Zen und es fand vorrangig in ländlichen Gebieten Verbreitung.
Im Gegensatz zum Sōtō Zen wurde die Rinzai-Strömung durch das in Kamakura neu gegründete Shōgunat enorm gefördert. Entsprechend ist die historische Rolle des Zen-Buddhismus eng mit der Errichtung der neuen Herrschaftsordnung in der Kamakura-Zeit durch den Kriegeradel verbunden.

Die Ethik des Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus hat eine eigene Ethik entwickelt. Kernpunkt dieser Ethik ist der Gedanke, dass es einem Individuum nur dann möglich ist, einem anderen zu helfen, wenn es sich selbst befreit hat. Somit kann sich eine Person einem anderen Lebewesen nur dann in Solidarität und sorgender Liebe (ähnlich der griechischen Agape) zuwenden, wenn die innere Einsicht hierzu im Rahmen einer vollzogenen Zen-Praxis erlangt wurde. Einem Buddha, einem Gott, einer bestimmten Lehre oder Offenbarung ist diese Zuwendung allerdings nicht geschuldet.
Interessant ist, dass im Zen-Buddhismus Dualismen wie etwa richtig und falsch oder gut und böse abgelehnt werden, so dass allgemeingültige und verbindliche Gebote und Vorschriften nicht existieren. De facto verpflichten sich die Mönche des Zen-Buddhismus zu diesen allerdings freiwillig.

 

 

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